Auf dem Land mobil sein

Wenn man die politische Diskussion zum Thema Mobilität beobachtet, fällt auf, dass sie meist sehr eingeschränkt diskutiert wird. Konservative beschränken Mobilität meist aufs Autofahren. Für Senior*innen und Kinder/Jugendliche wird dann noch ein rudimentäres Busnetz aufgebaut und dabei bleibt es dann meistens. Sozialdemokrat*innen denken da meist schon stärker an den ÖPNV, wobei auch sie selten über den Ausbau der Busversorgung hinaus denken. Nur ich garantiere als Landratskandidat dafür, dass man bei uns auf dem Land auch ohne Auto bestmöglich mobil sein kann und dabei auch das Klima geschützt wird.

Der Kreis Steinfurt erarbeitet derzeit unter Federführung des Amtes für Klimaschutz und Nachhaltigkeit einen „Masterplan klimafreundliche Mobiltät“. Dieser große Anspruch ist auch notwendig, weil die Mobilität neben der Stromerzeugung und der Wärmeversorgung der dritte große Block bei der Erzeugung des kliamschädlichen CO2 ist. Und in diesem Bereich gibt es noch viel zu wenige Lösungsvorschläge. Es braucht einen tiefgreifenden Wechsel bei der kompletten Mobilität, wenn wir das Klima schützen wollen. Wir brauchen nichts weniger als eine Verkehrswende.

Derzeit werden gerade bei uns im ländlichen Raum die meisten Strecken mit dem benzingetriebenen Auto zurückgelegt. Wie auch in anderen Bereichen, muss eine klimafreundliche Mobilitätspolitik auf drei Ebenen ansetzen: Vermeiden, Verlagern, Verbessern. Erstens müssen wir also überlegen, in welchen Bereichen Wege überflüssig werden können. Der Kreis hat hier direkt nur wenige Möglichkeiten. Beispielsweise könnte er in seinem Bereich Wege unnötig machen, indem er sein E-Government verbessert und viele Verwaltungsschritte durch online-Kontakte ersetzt. Ein zweiter und wohl noch wichtigerer Bereich in diesem Sinne ist aber die Stadt- und Gemeindeplanung. Lebendige Innenstädte und Dorfzentren, in den die tägliche Versorgung in fußläufige Einheiten zusammengefasst wird, können Wege überflüssig machen und damit nicht nur den Menschen das Leben erleichtern, sondern auch das Klima schützen. Vermeidung im Verkehrsbereich kann auch bedeuten, weniger Fahrzeuge besitzen zu müssen. Bei uns auf dem Land halten die meisten Menschen das eigene Auto wohl für notwendig. Der zusätzlich oft vorhandene Zweitwagen steht aber große Teile der Woche nur herum. Solche „Stehzeuge“ könnten – ein entsprechendes Angebot vorausgesetzt – gut durch Car-Sharing ersetzt werden. Die Anschaffungs- und Unterhaltungskosten eines Zweitwagens gehen schnell in den Bereich von 300-500€ pro Monat. Für dieses Geld kann man mit einem durchschnittlichen Car-Sharing-Angebot viele Tausend Kilometer im Jahr fahren. Man hätte dann jederzeit ein modernes und technisch einwandfreies Fahrzeug zur Verfügung, bei dem man sich nicht um Reperatur, TÜV oder Reinigung kümmern muss. Für viele Gelegenheitsfahrer (z.B. viele Senioren oder Menschen, die im Wohnort arbeiten), die nicht täglich mit dem Auto pendeln, kann durch Car-Sharing auch das Familienauto ersetzt werden.

Der zweite Bereich ist der der Verlagerung. Hier sind neben dem klassischen Umstieg auf den öffentlichen Verkehr (Bus und Bahn) und das Farhrrad vor allem zwei neue Formen der Elektromobilität zu nennen. Einerseits haben sich Elektrofahrräder (Pedelecs) in den letzten Jahren bereits einen Massenmarkt erschlossen. Immer mehr Menschen pendeln Strecken von 10-20 km oder sogar mehr statt mit dem Auto mit dem Pedelec. Mit bis zu 45 km/h erreichen diese schnellen E-Fahrräder das Ziel oft schneller als Autos und nebenbei bekommt man Frischluft und Bewegung. Die Verbesserung der Infrastruktur für E-Räder muss dabei vom Kreis weiter forciert werden. Der Kreis muss neben den schon gut ausgebauten Radwegen an Fernstraßen mehr Energie in ein eigenständiges Fernradwegenetz legen. Mit speziellen Direktverbindungen für Fahrräder kann das E-Fahrrad für viele Pendler eine gute Option werden, die diese dann gerne nutzen.

Der zweite Bereich der Elektromobilität sind E-Autos. Diese setzen sich bisher nur langsam auf dem Markt durch. Aufgrund der immer begrenzten Reichweite ist der Aufbau einer leicht verständlichen Ladeinfrastruktur wichtig. Hier kann gerade der Kreis aktiver werden. Zunächst müssen die vorhandenen Ladesäulen erfasst und übersichtlich – z.B. in einer Smartphone-App – dargestellt werden. Besonders wichtig ist hier, aktuelle Daten über die Funktionsfähigkeit und die konkrete Ausstattung (Steckerformen) der Säulen zu haben. Außerdem muss der Kreis weiter daran arbeiten, ein dichtes und flächendeckendes Netz von Ladesäulen aufzubauen.

Im Bereich der Verbesserung der vorhandenen Verkehrsinfrastruktur kann es nicht darum gehen, neue Straßen zu bauen. Mit ganz wenigen Ausnahmen (z.B. in Lienen) brauchen wir keine neuen Straßen im Kreis. Bei den Straßen ist vor allem der Erhalt der vorhandenen Infrastruktur wichtig. Verbesserungen brauchen wir vor allem beim ÖPNV. Derzeit zahlt der Kreis Steinfurt als Verlustabdeckung für den ÖPNV gerade einmal 4€ pro Jahr und Einwohner. Vergleichbare Kreis zahlen ein vielfaches und Städte oft auch dreistellige Summen. Und diesen Sparzwang spürt man auch alltäglich, wenn man mit dem ÖPNV fährt. Der Zugverkehr deckt auf seinen Strecken einen großen Zeitraum ab und fährt teilweise mehrfach stündlich. Das selbe kann man vom Busverkehr nicht sagen. Während die Hauptlinien nach Münster (und im Norden nach Osnabrück) noch gut funktionieren, so ist das Netz der Regionallinien gerade am Abend und am Wochenende nur noch katastrophal. Hier muss es dringend zu Verbesserungen kommen. Außerdem muss der ÖPNV stärker mit anderen Verkehrsträgern vernetzt werden, indem beispielsweise Mobilpunkte den Umstieg zu individuellen Verkehrsträgern (z.B. Auto, Fahrrad, Pedelec) oder auch zu anderen Verkehrsträgern (Taxis, neue Formen der Anbindung wie bedarfsgesteuerte Kleinbuslinien oder in Zukunft gar selbstfahrende Fahrzeuge) erleichtern.

Verkehr muss also vernetzt gedacht werden. Deshalb ist der Masterplan klimafreundliche Mobilität auch als Rahmenplan, auf den dann der Nahverkehrsplan aufbaut, so wichtig. Dieser Plan wurde unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sowie vieler Experten in den letzten Monaten erarbeitet und wird im Herbst vorgestellt. In den Gremien des Kreistages ist aber diese Einordnung unter das Ziel des Klimaschutzes alles andere als klar. Wir Grünen und insbesondere ich als Landratskandidat stehen dafür, Verkehrspolitik nicht aufs Auto oder auch auf ein losgelöstes Feld des ÖPNV zu reduzieren.

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld