Landwirtschaft reformieren

Die industrielle Landwirtschaft, die gerade bei uns im Kreis Steinfurt immer mehr die Landschaft prägt, belastet Wasser, Böden und Tiere viel zu sehr. Unsere Landschaft ist historisch von einer bäuerlichen Landwirtschaft geprägt, die gerade im Münsterland die Flächen relativ kleinteilig gliedert und mit Elementen wie Hecken und Gräben immer wieder auflockert. In den letzten Jahren sind es aber zwei Entwicklungen, die diese landschaftsprägende Wirtschaftsform verändern: Auf der einen Seite die Hauptentwicklung der industriellen Produktion, vor allem im Tierbereich. Immer billiger muss die Produktion sein und immer mehr muss produziert werden, mittlerweile zu einem erheblichen Anteil zum Export für den Weltmarkt. Die zweite Entwicklung ist die zunehmende Monokultur durch Mais, die wiederum zum größten Teil durch die Massentierhaltung, zum kleineren Teil aber auch durch Biogasanlagen bedingt ist.
Die Massentierhaltung und die industrielle Produktionsform werden immer mehr Menschen unangenehm. Das Image der Landwirtschaft wird schlechter und das spüren die Bauern auch immer deutlicher. Nicht umsonst machen die Bauernverbände eine intensive Imagewerbung. Doch solange die Verbände die Ursachen nicht angehen, werden sie damit nichts erreichen. Längst werden die Folgen sichtbar. Die Haltungsformen sind für viele Tiere dramatisch. Der Antibiotikaeinsatz ist erschreckend hoch und im Kreis Steinfurt sogar deutlich höher als im Landes- oder Bundesdurchschnitt. Das zeigte der Bericht des Kreisveterinärs im Umweltausschuss des Kreistags am 20.5.2015. Auch die Grundwasserkörper des Kreises sind durch die industrielle Landwirtschaft schon jetzt massiv belastet mit einer negativen Tendenz. Auch dies wurde – auf eine Anfrage der Grünen hin – im Umweltausschuss von der Kreisverwaltung deutlich aufgezeigt.
In den immer häufiger vorkommenden Großställen haben sich die Landwirte schon längst von der alten bäuerlichen Arbeit, bei der man für ein Tier von der Geburt bis zur Schlachtung persönliche Verantwortung trägt, verabschiedet. Arbeitsteilung mit den dafür notwendigen häufigen Tiertransporten und moderne technische Verfahren, die die Tiere immer mehr zum reinen Produktionsfaktor werden lassen, sind dabei die wichtigsten Antriebe.
Das Baurecht des Bundes sorgt mit seiner Privilegierung des Baus von landwirtschaftlichen Anlagen im Außenbereich dafür, dass die Kommunen nur noch die formale Korrektheit der Bauanträge überprüfen können und im Bereich der Kompensation – also der Ausgleichsmaßnahmen für Umwelteingriffe – gewisse Spielräume haben. In der Vergangenheit wurden aber diese geringen Spielräume noch nicht einmal ausgenutzt. Unsinnige Konzepte zum Brandschutz oder Tierhaltungsformen, die zwangsläufig gegen Europarecht verstoßen, wurden akzeptiert und entsprechende Bauanträge genehmigt. Kompensationsmaßnahmen, die gar nicht umsetzbar waren wurden erlassen oder auf erlassene Kompensationsflächen wurde wenige Jahre später gleich der nächste Stall genehmigt. Da die Maßnahmen dann anschließend praktisch nicht kontrolliert wurden, hatte das auch keinerlei Konsequenzen.
Agrarwende braucht viele Maßnahmen auf allen Ebenen. Die Bauern selbst unterliegen enormen wirtschaftlichen Zwängen. Dennoch unterwerfen sich nicht alle Bauern der industriellen Logik in gleichem Maße. Es müssen Freiräume und Märkte vergrößert werden, in denen Bauern auch mit einer bäuerlichen konventionellen oder sogar einer biologischen Wirtschaftsweise ein gutes Auskommen haben. Das Baurecht muss angepasst werden, damit die Kommunen stärkeren Einfluss auf geplante Baumaßnahmen für landwirtschaftliche Anlagen haben. Doch das sind Bereiche, die auf Landes- und vor allem Bundesebene liegen. Die Kommunen, und das ist bei uns vor allem der Kreis, müssen aber auch kritischer hinschauen und ihre Möglichkeiten nutzen. Es gibt Richtlinien wie beispielsweise das Verbot zum Abschneiden von Schweineschwänzen („Kupieren“). Haltungsformen, die nur mit dem rechtswidrigen Kupieren überhaupt funktionieren, können verhindert werden. Beim Feuerschutz oder den Emissionen kann deutlich kritischer hingesehen werden. Auch können Auflagen zur Kompensation von Umwelteingriffen umfangreicher gestaltet und vor allem besser kontrolliert werden. Damit würden die wirtschaftlichen Anreize zum Bau von Tierfabriken gesenkt.
Nicht zuletzt hat aber auch der Verbraucher / die Verbraucherin eine Verantwortung beim Einkauf. Ein kritischer Blick auf die Ware, eine größere Bereitschaft zum Kauf von biologisch produzierter oder regionaler Ware muss gefördert werden.
Als Landrat werde ich dafür sorgen, dass der Anteil des Kreises Steinfurt bei der Agrarwende geleistet wird. Wenn dann auch die anderen Ebenen ihren Teil leisten, kann die Umwandlung der Agrarwirtschaft hin zu einer bäuerlichen Landwirtschaft gelingen.

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld